gedankenhygiene

Der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir.

Liveblogging aus dem Puschkin

Das 1. Dresdner Bandfestival. Wir sind seit dem frühen Nachmittag hier und schauen uns die Acts auf der Außenbühne an. Ich trinke Club Mate und finde langsam Gefallen daran. Allmählich füllt sich auch der Garten. Alles ist entspannt. Livemusik hören, chillen.

F. scheint dem Sänger hilfreich zur Hand zu gehen. Leider kann ich es nicht sehen, denn ich sitze in der hintersten Ecke des Gartens, und J. schläft auf meinem Rücken.

Reisen in Gedanken (alle Wege)

Ich hatte heute morgen den dringenden Wunsch, unter Pinien zu sitzen. Nach Rom zu fahren und durch die Stadt zu laufen.
Bei näherer Betrachtung relativiert sich das alles. Das Touristendasein in Rom ist hart; um gut zu leben, braucht man entweder viel Geld oder zumindest Kühlschrank und Herd. Die ganzen Sehenswürdigkeiten erschließt man sich am besten nebenbei: bei abendlichen Spaziergängen, ohne Wert darauf zu legen, irgend eines der Gebäude etc. zu betreten. Tagsüber sollte man etwas arbeiten oder shoppen, oder rausfahren – ans Meer vielleicht oder in die Berge.
Tourist in Rom zu sein ist gänzlich unerstrebenswert. Warum sollte ich also dorthin fahren? Ich will mich nicht den Legionen anschließen, die durch die Stadt hasten, um die Ewigkeit zu finden. Die Momente, für die es sich lohnt, in Rom zu sein, stehen nicht im Reiseplan. Die zehn Minuten Aufenthalt auf dem Gianicolo, bevor man wieder in den Reisebus einsteigt und zum nächsten Highlight gekarrt wird – vielleicht sogar mittags um dreizehn Uhr, wenn die Sonne erbärmlich brennt und Rom unter einer Dunstglocke brütet -, diese zehn Minuten erschließen nichts.
Alles, was man als Nullachtfünfzehntourist aus der Ewigen Stadt mitnimmt, ist Streß und Überforderung.

Der Zauber zeigt sich nur dort, wo man ihn nicht sucht. Man muß einfach geschehen lassen. Schwer, wenn nur begrenzte Zeit verfügbar ist. Ich werde wohl die nächsten Jahre ein bißchen davon träumen … und nicht nach Rom fahren.

Kindermund und Wahrheit

Alle sind alleine, sagt F. kurz nach dem Aufstehen. Wieder – er hat diesen Satz schon desöfteren angebracht. (Elternangst vor großen Kindergedanken.)
Kurz danach bemerkt er: Ich bin nicht tot.

Neues Suchtmittel

Instagram. Gibt es seit einigen Tagen für Android. Kathrin?

Ein Leuchtturm ist ein Leuchtturm ist ein Leuchtturm

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(Für Christiane.)

Röslers Mißgriff

Als ich gestern nacht noch die Nachrichten las, stolperte ich über Röslers Wort von der Anschlußverwendung der entlassenen Schlecker-Mitarbeiterinnen. Ich hoffe, ihm fliegt dieser Ausdruck bald so richtig um die Ohren.
Säße er in einem Unternehmen, und dieses Wort fiele in einer Vorstands- oder sonstigen Besprechung – man könnte es hinnehmen. Aber Rösler sitzt nicht im Vorstand eines Unternehmens. Er sollte auf seine Worte achten. Seine Wähler verstehen, was er meint. Der Rest der Menschen versteht es auch. Nur verstehen beide Gruppen jeweils etwas anderes.

Erstmals: Werbung

Euphorische Grundstimmung in Erwartung des heutigen Abends. S. und ich haben uns zu Hänschens erstem Geburtstag ein besonderes Geschenk bereitet: eine eigene Ausstellung mit Bildern von Paul Pretzer. Die Bilder hängen seit gestern, und sie sind großartig. Ich lege sie jedem meiner wenigen Leser ans Herz.

Hallelujah

Gesprächsprotokoll endlich fertiggetippt. Die Zeit wird knapp. Und ich ärgere mich über meine grauenhafte Gesprächsführung – an den interessanten Punkten habe ich immer abgebrochen. Zu ungeduldig, zu wenig aufmerksam.

Kurzer Aufschub

Noch ein Kaffee, und dann ab ins Tagwerk. Halbe Ordnung herstellen, und wenn das Kind schläft, dann das gestrige Gesprächsprotokoll beenden. Wie führt man ein Interview richtig? Egal, ich werde einen Text daraus machen. Als Quelle taugt es.

Fluchtreflexe

Rückkehr aus der Mitte der Welt. Ich bin gern dort, vor allem bei Sonnenschein wie heute. Aber immer mit dem Gefühl, mich in eine Phantasiewelt einigeln zu müssen. Das Gehirn betäuben. Lesen, fernsehen, nicht nachdenken.
Vielleicht ist das alles jetzt nur so deutlich, weil es verschiedentlich mit Frau L. thematisiert wurde. Der Ort lähmt meinen Geist.

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