Ich hatte heute morgen den dringenden Wunsch, unter Pinien zu sitzen. Nach Rom zu fahren und durch die Stadt zu laufen.
Bei näherer Betrachtung relativiert sich das alles. Das Touristendasein in Rom ist hart; um gut zu leben, braucht man entweder viel Geld oder zumindest Kühlschrank und Herd. Die ganzen Sehenswürdigkeiten erschließt man sich am besten nebenbei: bei abendlichen Spaziergängen, ohne Wert darauf zu legen, irgend eines der Gebäude etc. zu betreten. Tagsüber sollte man etwas arbeiten oder shoppen, oder rausfahren – ans Meer vielleicht oder in die Berge.
Tourist in Rom zu sein ist gänzlich unerstrebenswert. Warum sollte ich also dorthin fahren? Ich will mich nicht den Legionen anschließen, die durch die Stadt hasten, um die Ewigkeit zu finden. Die Momente, für die es sich lohnt, in Rom zu sein, stehen nicht im Reiseplan. Die zehn Minuten Aufenthalt auf dem Gianicolo, bevor man wieder in den Reisebus einsteigt und zum nächsten Highlight gekarrt wird – vielleicht sogar mittags um dreizehn Uhr, wenn die Sonne erbärmlich brennt und Rom unter einer Dunstglocke brütet -, diese zehn Minuten erschließen nichts.
Alles, was man als Nullachtfünfzehntourist aus der Ewigen Stadt mitnimmt, ist Streß und Überforderung.
Der Zauber zeigt sich nur dort, wo man ihn nicht sucht. Man muß einfach geschehen lassen. Schwer, wenn nur begrenzte Zeit verfügbar ist. Ich werde wohl die nächsten Jahre ein bißchen davon träumen … und nicht nach Rom fahren.